Unister Insolvenz + die Folgen: Gutscheine verfallen – Pauschalreisen finden vermutlich statt

Es liest sich wie ein Wirtschaftskrimi mit offenem Ende: Unister Firmengründer Thomas Wagner fliegt nach Venedig, um einen Kredit aufzunehmen, wird dort vom Geldgeber betrogen, erstattet Anzeige und verunglückt auf dem Rückflug. Kurz danach meldet seine Firma Unister Insolvenz an. Die Auswirkungen für die Kunden sind noch nicht ganz klar. Heute stellte sich aber heraus, dass wohl die meisten über ab-in-den-urlaub.deals erworbene Gutscheine ungültig sind. Auch Kunden, die Hotels über ab-in-den-urlaub.de gebucht haben, könnten leer ausgehen.

Ab-in-den-urlaub.de, fluege.de oder hotelreservierung.de – Die meisten Unister-Portale sind unter Reise-Schäppchenjägern bekannt. Die Insolvenzen der Unister Holding GmbH am 18. Juli 2016 und seiner Tochterfirmen U-Deals, Unister Travel und Unister GmbH am 21. Juli, hinterlässt viele offene Fragen. Wir versuchen Einige aufzuklären.

Unister Insolvenz Website

Zunächst einmal soll festgestellt werden, welche Portale überhaupt betroffen sind. Im Endeffekt sind dies alle Travel-Portale der Unister Holding. Die von der Unister Insolvenz betroffenen Seiten im Einzelnen:

  • kurz-mal-weg.de
  • kurz-mal-weg-deals.de
  • ab-in-den-urlaub.de
  • ab-in-den-urlaub-deals.de
  • hoterlrerservierungen.de
  • hotelreservierungen-deals.de
  • Reisen.de
  • Fluege.de
  • Urlaubstours

Unister Insolvenz: Gutscheine und Hotelbuchungen problematisch – Pauschalreisen vermutlich sicher

Für alle die sich jetzt fragen, wie es mit gebuchten Reisen, Übernachtungen, Flügen etc. aussieht, haben wir die bekannten Fälle einmal zusammengefasst:

1. Gutscheinbuchungen über Deal-Portale

Die schlechteste Nachricht ganz zum Anfang. Alle Gutscheine, die vor dem 20. Juli 2016 ohne konkreten Reisetermin auf den Portalen ab-in-den-urlaub-deals, kurz-mal-weg-deals und hotelreservierungen-deals gebucht wurden, gehen laut Insolvenzverwalter Lucas F. Flöther in die Insolvenzmasse über. Für alle, die dem Beamtendeutsch nicht mächtig sind, heißt das, dass Betroffene im Glücksfall in einigen Jahren einen Bruchteil des Wertes zurück überwiesen bekommen.

Fazit: Vergesst die Gutscheine! Der Brief an den Anwalt lohnt sich nicht. Der Ertrag dürfte im Bereich von 10% des Gutscheinwertes liegen.

Update 29. Dezember 2017: Über sonnenklar.tv können die Unister-Gutscheine bis 28. Februar 2017 trotzdem noch eingelöst werden.

2. Cashback Gutscheine

UnisterInsolvenz Cashback Gutscheine

Das Konzept klang von Anfang an ein wenig komisch. Man erwirbt für 9,99€ einen Gutschein im Wert von 100€. Dieser wird einem dann nach der Reise ausgezahlt. Bereits in den letzten Jahren gab es immer wieder Beschwerden über die Auszahlungen. Jetzt scheint klar warum: Unister hatte das Geld einfach nicht. Offiziell sind diese Gutscheine zwar nicht in die Insolvenzmasse gewandert. Das wird aber vermutlich bald passieren. Was das heißt, lest ihr oben.

Fazit: Auch beim Cashback gibt es nach der Unister Insolvenz wenig Hoffnung. Bleibt in Zukunft darauf zu achten, solche Gutscheine nicht zu erwerben oder sich von solchen Angeboten locken zu lassen.

3. Hotelbuchungen

Auch für Kunden, die über eins der genannten Portale eine Einzelbuchung von Hotels vorgenommen haben, sieht es düster aus. Flöther erläuterte, dass für solche Buchungen keine Insolvenzabsicherungspflicht besteht. Sollte der Kunde also keine eigene Versicherung für diesen Fall abgeschlossen habe, wird die Buchungssumme in den meisten Fällen nicht an den Hotelbetreiber weitergeleitet worden sein. Anders sieht es aus, wenn die Hotels sich schon beim Kunden gemeldet haben und die Buchung aufgenommen wurde.

Fazit: Am besten ist es, wenn ihr euch direkt mit dem Hotel auseinandersetzt. Besser, als wenn ihr bei der Ankunft am Urlaubsort vor verschlossenen Türen steht.

4. Pauschalreisen

Bei Pauschalreise sieht es besser aus. In der Regel erhalten Kunden bei Eingang der ersten Zahlung eine Buchungsbestätigung mit Sicherungsschein. Dieser Schein garantiert die oben erwähnte Insolvenzversicherung. Wenn Unister das Geld also nicht an den Reiseveranstalter weitergeleitet hat, zahlt die Versicherung diesen Betrag. Problematisch wird es nur mit Buchungen, die in den letzten Wochen getätigt wurden und bei denen trotz Anzahlung noch keine Bestätigungsmail mit dem Versicherungsschein angekommen ist. In diesem Fall sollte auf jeden Fall der Veranstalter kontaktiert werden. Ggf. ist es ratsam, die Restkosten direkt an diesen zu überwiesen oder die komplette Buchung zu stornieren. In diesem Fall fallen aber trotz Insolvenz Stornogebühren für den Kunden an.

Fazit: Wer demnächst eine mit Unister gebuchte Reise antritt, sollte zur Sicherheit den Reiseveranstalter kontaktieren – ob mit oder ohne Sicherungsschein. In der Regel sollte die Reise aber durchgeführt werden. 

5. Flugreisen

Unister Insolvenz Flugbuchungen

Hier gibt es eine ganz klare Aussage: „Wer schon eine Buchungsnummer hat, ist in der Regel auf der sicheren Seite“, sagte Reiserechtler Ronald Schmid dem Focus. Das bedeutet nämlich, dass das Geld des Kunden bereits an die Fluggesellschaft weitergeleitet wurde. In die Röhre dürften wieder diejenigen gucken, die erst vor Kurzem gebucht haben. Hat die Fluggesellschaft kein Geld erhalten, wird es den Kunden nicht transportieren. Ähnlich wie bei den Hotelbuchungen gibt es bei den Flügen ebenfalls keinen Sicherungsschein, wenn nicht eine private Versicherung abgeschlossen wurde.

Fazit: Hier ist es einfach: Wer eine Buchungsnummer hat, darf fliegen. Wer keine hat nicht! Wer sich im Urlaub befindet, sollte also auch seinen Rückflüge antreten können.


Abschließend lässt also sagen, dass fast keine Buchung nach der Unister Insolvenz unproblematisch ist. Schon in den letzten Monaten hatten wir immer weniger Reisen des Konzerns gepostet. Jetzt haben wir uns entschlossen, zunächst keine Unister-Reisen mehr zu veröffentlichen. Denn auch wenn der Insolvenzverwalter verspricht, dass Reisen, die nach dem 20. Juli getätigt wurden ohne Einschränkungen funktionieren, lässt sich die Fortsetzung dieses Wirtschaftskrimis nur schwer abschätzen.

Quelle:

focus.de
spiegel.de
welt.de
t-online.de
gruenderszene.de

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