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Von Gefahren und Panikmache

Kokosnuss

Eine der bekanntesten Mythen ist die Behauptung, es würden jährlich 150 Menschen durch herunterfallende Kokosnüsse sterben. Das wären etwa 140 mehr als durch den Biss von Haien. Dabei gibt es nirgendwo eine statistische Erhebung, wie viele Menschen tatsächlich weltweit durch von Palmen fallende Kokosnüsse am Kopf getroffen werden und versterben. Wie Christoph Drösser von der Wochenzeitung Zeit herausfand, basiert die Zahl auf einer Hochrechnung einer Studie des Arztes Peter Barss. Im Jahr von 1984 hatte dieser in Papua-Neuguinea 2 Todesfälle durch herunterfallende Kokosnüsse festgestellt.

Anhand dieser Tatsache lässt sich gut erklären, wie die Panikmache bei den Urlaubsgefahren funktioniert. Stirbt ein Surfer durch einen Haibiss, setzt dies bei vielen Menschen die Schreckensvision des Kampfes Mensch gegen Tier frei. Das Bild prägt sich ein. Der Hai wird zum Urlaubsrisiko hochstilisiert. Dass Haie in der Regel aber gar nicht so nah an den Strand schwimmen, sie äußerst selten eigenständig Menschen angreifen und jährlich weltweit nur etwa 10 Menschen bei einem Haiangriff sterben wird nicht bedacht. Kommt jetzt ein harmloser Gegenstand wie eine Kokosnuss daher und entmystifiziert den Hai, ist dies ein gefundenes Fressen für die Medien.

Zu diesem Fakt passt eine Geschichte aus meinem Umfeld. Ein mit meinen Eltern befreundetes Ehepaar gönnte sich zu Silvester eine Reise nach Paris. Dort betrachteten sie um 0 Uhr das Feuerwerk während auf dem Dach vom Gebäude während Jugendliche aus Versehen eine Holzlatte vom Dach traten. Die Latte traf das Ehepaar. Beide verstarben noch in der Nacht. Tragisch und immer möglich wenngleich äußerst unwahrscheinlich. In diesem Sinne lässt sich festhalten, dass sicherlich mehr Menschen jährlich durch herunterfallende Dinge sterben, als durch einen Hai. Das klingt aber weitaus weniger eingehend.

Ähnlich verhält es sich mit Flugzeugabstürzen. Trotz der unglaublich geringen Wahrscheinlichkeit eines Absturzes durchforsten Menschen die Statistiken der Airlines und machen davon ihre Buchung abhängig. Genauso könnte man nachforschen, welche Fluggesellschaften in letzter Zeit von einer Flugzeugentführung heimgesucht wurden und diese aussortieren. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit, dass zweimal dieselbe Fluggesellschaft eine Entführung oder einen Absturz erlebt eher geringer.

Faktum: Ängste und Gefahren sind äußerst irrational. Wir haben nicht Angst vor dem Gewöhnlichen, sondern eher vor dem Speziellen. Gerade weil uns die Tropenkrankheit Dengue-Fieber und die der Zika-Virus so fremd sind, befürchten wir sie. Rationell gedacht müssten wir uns aber vor allem nicht allzu lange zu Hause aufhalten. Schließlich passieren die meisten Unfälle im trauten Heim.