Vielleicht ist es euch auch schon mal so ergangen, dass ihr euch vor oder sogar während eures Urlaubes mit einer Reisewarnung des entsprechenden Landes auseinandersetzen musstet. Nicht zuletzt aufgrund der aktuellen terroristischen Bedrohungen und der politisch angespannten Lage in vielen Ländern weltweit, wollen wir für euch das Thema in diesem Artikel aufgreifen und euch detaillierter über die Reisewarnung, ihre Voraussetzungen und Möglichkeiten des Reiserücktrittes sowie über aktuelle Reisewarnungen informieren.

INHALT

  1. Was bedeutet Reisewarnung?
  2. Wann wird eine Reisewarnung ausgesprochen?
  3. Reiserücktritt bei Reisewarnung
  4. In welchen Ländern besteht eine Reisewarnung?
  5. Fazit

1. Was bedeutet Reisewarnung?

Zunächst einmal stellen wir euch die Reisewarnung Definition vor: Hierbei handelt es sich um eine Empfehlung einer Behörde, Reisen in ein bestimmtes Land oder Gebiet nicht anzutreten oder abzubrechen, weil dort die Reisesicherheit nicht gegeben ist. In Deutschland gibt das Auswärtige Amt die Reisewarnung für die eigenen Staatsangehörigen heraus. Eine offizielle Reisewarnung des Außenministeriums ist demnach ein Appell an die eigenen Bürger, von Reisen in das entsprechende Land abzusehen, da eine akute Gefahr für Leib und Leben besteht. Die Reisewarnung ist die höchste Warnstufe und heißt auf Englisch travel warning.

Reisewarnung-EnglischDas Auswärtige Amt überprüft regelmäßig und zeitnah, ob die herausgegebenen Informationen noch aktuell und korrekt sind. Eine Reisewarnung wird immer mit einem Datum versehen und bleibt bis auf Weiteres gültig. Gefährliche Situationen oder Faktoren können sich aber sehr schnell ändern.

Reisewarnungen im Vergleich mit Reise- und Sicherheitshinweisen

Nicht verwechseln sollte man Reisewarnungen mit Reisehinweisen bzw. Sicherheitshinweisen. Der Unterschied zwischen der Reisewarnung und den Reise- und Sicherheitshinweisen kann folgendermaßen definiert werden:

Reisehinweis-ZollrechtReisehinweis: Hierbei handelt es sich um Bestimmungen des jeweiligen Landes, welche ihr euch vor Urlaubsantritt anschauen solltet. Zum Beispiel:

  • Einreisebestimmungen
  • medizinische Hinweise
  • straf- und zollrechtliche Informationen
  • kulturelle und gesellschaftliche Besonderheiten

Sicherheitshinweis: In diesem Fall handelt es sich um Hinweise zu besonderen Risiken. So wird zum Beispiel von einem Antritt einer Reise abgeraten oder diese einzuschränken. Im Vergleich zur Reisewarnung ist ein Sicherheitshinweis aber nicht die höchste Warnstufe.

Reisewarnungen im Vergleich mit Teilreisewarnungen

Der Unterschied zwischen einer Reisewarnung und einer Teilreisewarnung (auch partielle Reisewarnung genannt) besteht darin, dass die Reisewarnung für ein ganzes Land gilt, während die Teilreisewarnung nur für ein spezielles Gebiet oder eine spezifische Region ausgesprochen wird.

So besteht aktuell (Stand Dezember 2017) zum Beispiel eine Reisewarnung für Somalia, hier empfiehlt das Auswärtige Amt, das gesamte Land nicht zu bereisen. Eine Teilreisewarnung wurde beispielsweise für die Ukraine ausgesprochen: Von Reisen in die nicht von der Landesregierung kontrollierten Verwaltungsbezirke Donezk und Luhansk im Osten der Ukraine wird aufgrund von bewaffneten Auseinandersetzungen dringend abgeraten. Ebenso gilt die Empfehlung für die Regierungsbezirke an der Kontaktlinie zu den nicht kontrollierten Bezirken und für Reisen auf die Halbinsel Krim, die faktisch von Russland kontrolliert wird.

Reisewarnung in Österreich

Reisewarnung-Flagge-OesterreichÄhnlich wie in Deutschland, ist auch in unserem Nachbarland Österreich die Reisewarnung die höchste Gefahrenstufe. Allerdings wird hier mit 6 verschiedenen Sicherheitsstufen, die vom Bundesministerium für Europa, Integration und Äußeres verhangen und aktualisiert werden, stärker differenziert:

  1. Stufe: guter Sicherheitsstandard (vergleichbar mit Österreich)
  2. Stufe: erhöhtes Sicherheitsrisiko (z.B. Straßenraub, Naturkatastrophen)
  3. Stufe: hohes Sicherheitsrisiko in einem Gebiet (z.B. gewalttätige Auseinandersetzungen, Terrorrisiko)
  4. Stufe: hohes Sicherheitsrisiko in einem Land (auch gewalttätige Auseinandersetzungen und Terrorrisiko)
  5. Stufe: partielle Reisewarnung für ein bestimmtes Gebiet (z.B. Kriegszustände)
  6. Stufe: Reisewarnung (Kriterien folgen in Abschnitt 2)

2. Wann wird eine Reisewarnung ausgesprochen?

Damit es dazu kommt, dass ein Außenministerium eine Reisewarnung für ein bestimmtes Land ausspricht, müssen bestimmte Kriterien erfüllt sein – sogenannte Voraussetzungen für eine Reisewarnung. Wie in Abschnitt 1 schon erwähnt, muss generell eine akute Gefahr für Leib und Leben bestehen. Nun erklären wir euch detaillierter, was das bedeutet. Eine Reisewarnung wird vom Auswärtigen Amt herausgegeben bei:

  • instabiler politischer Lage (z.B. islamistischer Extremismus)
  • instabiler gesellschaftlicher Lage (z.B. Aufstände einer unzufriedenen Bevölkerung)
  • instabiler wirtschaftlicher Lage (z.B. Kriminalität durch Armut)
  • Katastrophen:
    • Reisewarnung wegen Hurrikan/Wirbelsturm
    • Reisewarnung wegen Waldbrand
    • Reisewarnung wegen Vulkanaktivitäten
    • Reisewarnung wegen Erdbeben
  • der Annahme, dass sich genannte Faktoren in absehbarer Zeit einstellen werden

Grundsätzlich gilt, dass die Reisewarnung so lange besteht, wie sie auch auf der Website des Auswärtigen Amtes zu finden ist. Hört ihr von Unruhen oder Ähnlichem in einem Land und findet dazu keinen Hinweis auf der Website des Auswärtigen Amts, so besteht aus diesem Grund keine Reisewarnung. Dies ist u.a. auch für den Fall einer Stornierung der Urlaubsreise wichtig (siehe Abschnitt 3).

Reisewarnung für Schwangere

Reisewarnung-SchwangereEine Reisewarnung für Schwangere wurde von der Eltern-Initiative Motherhood für Deutschland herausgegeben. Dabei handelt es sich nicht um eine offizielle Reisewarnung des Auswärtigen Amtes. Grund für die Herausgabe ist ein akuter Hebammenmangel bzw. hoffnungslos überlastete Krankenhäuser in bestimmten Städten und Regionen Deutschlands. Wer hier nicht in einem Krankenhaus oder einer Geburtsstation angemeldet ist, riskiert nicht behandelt zu werden. Folgende Gebiete sind im Jahr 2017 betroffen:

  • Berlin
  • München
  • bayrisches Alpenvorland
  • Hessen
  • Sylt und andere deutsche Inseln
  • Küstenregionen

Kriterien der Reisewarnung in Österreich

Die Stufen der Reisewarnung in Österreich wurden bereits erwähnt. Nun sollen hier die Reisewarnung Voraussetzungen des Bundesministeriums für Europa, Integration und Äußeres für die Stufe 6 folgen. Damit die Stufe ausgerufen wird, muss mindestens einer der folgenden Punkte auftreten:

  • (bürger-)kriegsähnliche Zustände
  • verhängtes Kriegsrecht
  • Krieg
  • Bürgerkrieg

3. Reiserücktritt bei Reisewarnung

In diesem Kapitel wollen wir der Frage nachgehen: Was passiert bei einer Reisewarnung und zahlt die Reiserücktrittsversicherung bei Reisewarnung?

Reisewarnung und Stornierung

Grundsätzlich gilt: Ihr solltet euren Urlaub kostenlos stornieren können, wenn höhere Gewalt vorliegt. Höhere Gewalt liegt dann vor, wenn die Reisewarnung vom Auswärtigen Amt noch aktuell ist und somit einer der genannten Voraussetzungen aus Kapitel 2 erfüllt ist. Man nennt dies auch eine unvorhersehbare Entwicklung mit erheblicher Erschwernis oder Gefährdung. Somit könnt ihr bei einer Reisewarnung euren Urlaub in der Regel kostenfrei stornieren. Die Kostenerstattung aufgrund einer Reisewarnung erhaltet ihr vom jeweiligen Reiseveranstalter. Wird die Reisewarnung während des Urlaubs ausgesprochen, so kann der Veranstalter auch hier den Vertrag mit euch kündigen und euch einen früheren Heimflug anbieten, um eure Sicherheit zu gewährleisten. Einen Anspruch auf Entschädigung wegen nutzlos aufgewandter Urlaubszeit habt ihr in diesem Fall aber nicht.

Reisewarnung-RechteReisewarnung: Rechte

Wie bereits erwähnt, solltet ihr euren Urlaub stornieren oder bei einer Reisewarnung eine Umbuchung vornehmen. Ob ihr aber bei einer Reisewarnung euer Geld zurückbekommt, wird, wenn es zu einem Rechtsstreit mit dem Reiseveranstalter kommt, im Einzelfall unterschiedlich entschieden. Aber das Gericht wertet die Empfehlung des Auswärtigen Amtes immer als sehr wichtiges Indiz für den Umstand der höheren Gewalt – es hat rechtlich aber keine bindende Wirkung

Versicherung bei Reisewarnung

Achtet unbedingt auch darauf – wenn ihr zum Beispiel ohne Reiseveranstalter Urlaub macht – Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes bzw. des österreichischen Außenministeriums ernst zu nehmen. Denn es stellt nicht nur eine Gefahr für euch da, euch in einem gefährdeten Land aufzuhalten. Im Ernstfall zahlen eure Versicherungen bei höherer Gewalt nicht. Darunter zählen auch die Auslandskrankenversicherung und andere Reiseversicherungen, die bei einer Reisewarnung ausdrücklich von ihrer Leistungspflicht befreit sind. Dies gilt auch für die Reiserücktrittsversicherung: Nur in seltenen Fällen deckt diese solche Fälle ab (z.B. bei Terroranschlägen).

4. In welchen Ländern besteht eine Reisewarnung

Aktuelle Reisewarnungen solltet ihr vor Antritt eures Urlaubes immer checken. Dies könnt ihr auf der Website des Auswärtigen Amtes für Deutschland und auf der Website des Bundesministeriums für Europa, Integration und Äußeres für Österreich tun. Ebenso ist es aber auch möglich, eine neu herausgegebene Reisewarnung der Länder über verschiedene Apps von Nachrichten-Websites wie den Spiegel (Android, iOS) oder der Tagesschau (Android, iOS) zu erhalten. Geht es euch ausschließlich um die Warnung, so hat auch das Auswärtige Amt eine App für euch:

Welches Land hat eine Reisewarnung?

Die Website des Auswärtigen Amtes enthält sowohl die Reisewarnung für Europa als auch die Reisewarnung weltweit. Im Jahr 2017 betraf dies insgesamt 26 Länder, im Folgenden nach Reisewarnung und partieller Reisewarnung geordnet:

Reisewarnung (Stand 17. November 2017):

  • Jemen
  • Südsudan
  • Somalia
  • Afghanistan
  • Irak
  • Syrien
  • Zentralafrikanische Republik
  • Libyen

Partielle Reisewarnung (Stand 17. November 2017):

  • Mauretanien
  • Libanon
  • Demokratische Republik Kongo
  • Ägypten
  • Burkina Faso
  • Nigeria
  • Ukraine
  • Kamerun
  • Japan
  • Philippinen
  • Algerien
  • Mali
  • Eritrea
  • Tschad
  • Israel (Gaza-Streifen)
  • Palästinensische Gebiete
  • Pakistan
  • Niger

Beispiel Ägypten

Für Ägypten gilt die Reisewarnung beispielsweise für verschiedene Gebiete bzw. Unternehmungen, u.a. wegen Missachtung der Menschenrechte. Diese Aktivitäten solltet ihr demnach in Ägypten nicht machen:

  • Überlandfahrten ohne Ortskundigen
  • Besuch des Nordens der Sinai-Halbinsel
  • Besuch des ägyptisch-israelischen Grenzgebiets, inkl. Reiseort Taba
  • Ausflug in entlegene Gebiete der Sahara
  • Besuch der Grenzregion zu Libyen/Sudan
  • Teilname an Menschenansammlungen
  • Abseits regulärer Straßen/Wege gehen (Minengefahr)
  • Überlandfahrten auf der Schiene (Ausnahme: Schnellzug Alexandria-Kairo)
  • Taxi ohne eingeschaltetes Taxameter nutzen

Eine Reisewarnung für Hurghada, einem der beliebtesten Urlaubsorte Ägyptens, gibt es nicht. Hier ist allerdings Vorsicht geboten. Es werden vermehrt betrügerische oder erpresserische Verhaltensweisen von Taxifahrern gemeldet. Das Auswärtige Amt empfiehlt, Taxen nur mit eingeschaltetem Taxameter zu benutzen, sich vorher über den ungefähren Preis zum Ziel zu informieren und die Bezahlung nach dem Aussteigen durch das Fahrerfenster vorzunehmen. Weiterhin kann bei dem Vorfall, bei dem im Juli 2017 zwei deutsche Urlauberinnen am Strand mit einem Messer tödlich verletzt worden sind, kein terroristischer Anschlag ausgeschlossen werden.

Beispiel Türkei

Dass es für die Türkei keine offizielle Reisewarnung gibt, sondern nur Reise- und Sicherheitshinweise, ist vielen aufgrund der Entwicklungen in den letzten Jahren (terroristische Anschläge, unbegründete Festnahmen, Putschversuch) unverständlich. Das Auswärtige Amt sieht aber bisher keine konkrete Gefahr für Leib und Leben, bewertet die Situation jedoch stetig neu. Anders sieht das die Türkei, die eine Reisewarnung gegen Deutschland ausgesprochen hat. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und das türkische Außenministerium warnen türkische Bürger, die in Deutschland leben oder vorhaben, nach Deutschland zu reisen, vor rassistischen Zwischenfällen in Deutschland.

Welche Reisewarnungen bestehen aktuell in Österreich?

In Österreich wird zusätzlich komplett vor Reisen nach Mali, Mauretanien und Niger gewarnt, für Deutschland bestehen hier nur Teilreisewarnungen. Teilreisewarnungen gibt es auch noch für weitere Länder, neben den in Deutschland erwähnten:

  • Äthiopien
  • Elfenbeinküste
  • Georgien
  • Indien
  • Kenia
  • Marokko
  • Senegal
  • Thailand
  • Tunesien
  • Türkei
  • Venezuela

Österreichs Außenministerium hat dementsprechend sehr viel mehr Länder mit Teilreisewarnung in seiner Liste, vor denen es seine Staatsbürger warnt. Wie ihr sehen könnt, ist hier auch die Türkei mit aufgelistet.

Inoffizielle Reisewarnungen

Da die Reisewarnung vom Auswärtigen Amt oft sehr allgemein formuliert ist, fühlen sich viele Reisende nicht angesprochen oder sind verunsichert, weil Länder fehlen, in denen aber auch gewalttätige Vorfälle gemeldet werden. Aus diesem Grund gibt es im Internet Websites, die eine Reisewarnung nicht nur aufgrund der Nennung beim Auswärtigen Amt, sondern vielmehr durch verschiedene Vorkommnisse und deren Häufigkeit aussprechen. Eine Reisewarnung durch eine Weltkarte dargestellt, findet ihr beispielsweise hier. Über Gefahren in Urlaubsländern haben wir uns auf Tripdoo in diesem Artikel auseinandergesetzt. Hier findet ihr ein Ranking der gefährlichen und sichersten Urlaubsländer.

5. Fazit

Nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass die Bedrohung durch terroristische Anschläge und Entführungen stetig zunimmt, solltet ihr euch vor eurer Reise in andere Länder immer über die dortige Sicherheitslage informieren. Es muss nicht immer gleich die höchste Warnstufe (Reisewarnung) bestehen und dennoch können euch allgemeine Sicherheitshinweise vom Auswärtigen Amt helfen, nicht in Schwierigkeiten zu geraten.

Sollte vor, oder während eures Urlaubs, eine Reisewarnung ausgesprochen werden, setzt euch unbedingt mit eurem Reiseveranstalter in Verbindung. In der Regel werden euch bei höherer Gewalt Stornokosten erstattet, eine kostenlose Umbuchung ermöglicht oder ein kostenloser Reiseabbruch ermöglicht.