Was ist bei Air Berlin passiert?

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Nach vielen Jahren mit großen Problemen nun ein schon fast endgültiger Schritt: Air Berlin ist insolvent. Pleite. Zahlungsunfähig. 

Großaktionär Etihad wollte keine weitere Unterstützung liefern und die Geschäftsführung hat erkannt, dass keine Prognose mehr stimme, die Air Berlin ein erfolgreiches Überleben garantiert. Die Fluggesellschaft möchte das Insolvenzverfahren nun selber durchführen. Die Bundesregierung hat aber erklärt, Air Berlin einen Übergangskredit von 150 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen, um den Flugbetrieb für die nächsten Wochen weiter durchzuführen. Das wird vor allem gemacht, um den vielen Ferienreisenden noch einen Rückflug zu ermöglichen.

Angebahnt hat sich so ein Schritt schon länger: Air Berlin ist mit einer kleinen Ausnahme seit über 8 Jahren nicht profitabel gewesen. 

Wie konnte es so weit kommen?

Gründe gab es dafür viele: Viele Konkurrenten hat das Unternehmen seit Anfang der 2000er Jahre geschluckt, um sich gegen den Wettbewerb durchzusetzen. Das klingt zwar sinnvoll, allerdings hat es nie ganz funktioniert die verschiedenen Strukturen in den Konzern zu integrieren. Dadurch stiegen die Kosten für Personal, Wartung und Betrieb stark! Schon damals kritisierten Experten aus der Luftfahrt auch das Geschäftsmodell: Es war nie ganz klar, was Air Berlin eigentlich genau macht: Billigairline? Ferienflieger? Charter? Oder doch Business-Airline? Während sich Konkurrenten wie Ryanair ganz auf die Kosten und Lufthansa ganz auf Geschäftsreisende konzentrierte, irrte Air Berlin herum und bot alles an – Nur eben nicht so richtig!

In den letzten Jahren versuchte die Gesellschaft Kosten zu sparen, indem sie den Betrieb auch an andere Firmen auslagerte – Zum Beispiel an TUI und die LGW. Die Verträge wurden allerdings scheinbar ohne den Finanzvorstand gemacht: Vor allem der Vertrag mit der TUI hat dem Unternehmen laut internen Kreisen den letzten Stoß in die Unwirtschaftlichkeit gegeben. Auch die Kooperation mit Etihad und die Zeit mit Hartmut Mehdorn als Chef konnten die Gesellschaft nicht retten – Eventuell haben sie es sogar noch verschlimmert!

Und nun steht durch den Rückzug von Etihad endgültig die Pleite vor der Tür. Über 8000 Mitarbeiter sind nun im Ungewissen – Und noch weitaus mehr Kunden mit einem gültigen Ticket!

Noch vor zwei Monaten hat das Unternehmen beteuert, dass keine Insolvenz in Frage käme und Air Berlin über ausreichend Geld verfüge.

Wie geht es bei Air Berlin weiter?

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Klar ist: der Flugbetrieb kann zunächst weitergehen. Allerdings ist die Frage zu welcher Qualität! Zusammen mit den Problemen der letzten Monate wie etwa der katastrophalen Gepäckabfertigung in Tegel, oder massenhaften Flugausfällen dürfte jetzt noch der Missmut der Angestellten hinzukommen. Verständlich, wenn voraussehbar ist, dass der eigene Arbeitsplatz in den nächsten Wochen in großer Gefahr schwebt.

Die Insolvenz bedeutet jedoch nicht, dass nachdem die 150 Millionen der Regierung aufgebraucht sind, alle Flieger am Boden stehen. Viele Airlines werden sich darum bemühen die Flüge von Air Berlin aufzufangen und in Kooperation Crews, oder Flugzeuge stellen. Dafür kommen insbesondere Partnergesellschaften in Frage, wie etwa die italienische Alitalia, oder NIKI aus Österreich.

In der Branche selbst sollten sich die meisten Airlines darüber freuen: Die Flugbranche hat seit der Liberalisierung in den 1990er Jahren einen knallharten Wettbewerb und jeder Konkurrent weniger wird von den anderen Gesellschaften gefeiert. Auf der anderen Seite können im Falle einer Aufgabe des gesamten Flugbetriebs sogenannte Slots an den Flughäfen freiwerden, die von anderen Wettbewerbern besetzt werden.

Vor allem bei Billigflieger Ryanair haben heute in der Zentrale bestimmt die Sektkorken geknallt: Die irische Gesellschaft will im deutschen Markt die Nummer zwei nach Lufthansa werden und auch innerdeutsch mehr Strecken bedienen. Das geht ohne den großen Konkurrenten Air Berlin natürlich etwas einfacher!

Ist mein Air Berlin Ticket jetzt noch gültig?

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Was sagt Air Berlin?

Wenn ihr ein gültiges Air Berlin Ticket habt, dann solltet ihr in den nächsten Tagen aufmerksam die Nachrichten verfolgen. Solltet euer Flug in den nächsten paar Tagen stattfinden, könnt ihr aber aufatmen. Der Flugbetrieb wird höchstwahrscheinlich mit einer ähnlichen Zuverlässigkeit wie vorher durchgeführt. 

Sicher ist auf jeden Fall Stand 15.08.2017:

  • Euer Ticket bleibt grundsätzlich gültig – Egal wann es gebucht wurde, oder der Flug stattfindet
  • Die Flüge finden zunächst weiter statt
  • Alle Flugpläne bleiben zu gleichen Zeiten erhalten

Und was, wenn der Betrieb doch eingestellt wird?

Für ein paar Wochen ist Luft! Das ist ziemlich sicher. Fliegt ihr allerdings erst Ende September oder noch später wird es schwierig für euch! Denn grundsätzlich ist im Ticket keine Insolvenzversicherung enthalten. Das bedeutet, dass sowohl eurer Ticket, als auch euer Geld futsch ist.

Solltet ihr extra eine solche Versicherung gekauft haben, seid ihr aus dem Schneider! Kontaktiert dazu also schnellstmöglich den Anbieter, damit er sich rechtzeitig um die Neubuchung mit euch kümmern kann! Dabei gelten allerdings oft verschiedene Bedingungen, sodass kein direkter Ersatz geleistet wird, sondern nur ein Alternativflug – Eventuell nicht einmal am selben Tag!

Es gibt aber einen etwas komplizierten Weg, das zu umgehen: Die Anmeldung im Insolvenzverfahren! Das bedeutet, dass ihr nun als offizieller Gläubiger geltet – also wie jemand der Anteile am Unternehmen besitzt. Allerdings sind die Chancen auf eine Rückzahlung wirklich gering! Wenn ihr also nicht unbedingt für drei Schulklassen einen Business Class Flug gebucht habt, ist es den Aufwand wahrscheinlich nicht wert!

Gilt dann die EU-Entschädigung?

Bei ausgefallenen oder stark verspäteten Flügen stehen euch in der EU bis zu 600 Euro Entschädigung zu – Und das völlig unabhängig vom Ticketpreis. Wenn es vor der Pleite zu Verspätungen kommt, zum Beispiel durch kranke Mitarbeiter, oder andere Sachen, die von der Airline direkt verursacht sind, dann habt ihr die Chance auf eine Entschädigungszahlung je nach Streckenentfernung. Der Start oder die Landung muss dabei in der EU erfolgen! Selbstverständlich gilt die Regelung auch für Flüge zwischen zwei EU-Staaten.

  • bis 1500 Kilometer: 250€ ab 2h Verspätung
  • bis 3500 Kilometer: 400€ ab 3h Verspätung
  • ab 3500 Kiolmeter: 600€ ab 4h Verspätung

Solltet ihr aber nach der kompletten Betriebseinstellung noch fliegen müssen, gelten diese Regeln voraussichtlich nicht. Ganz einfach aus dem Grund, dass Air Berlin nicht mehr zahlen kann!

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Ist meine Pauschalreise mit Air Berlin betroffen?

Ihr habt bei einem Reiseveranstalter einen schönen All-Inclusive Urlaub in Südeuropa, Safari-Abenteuer in Südafrika, oder andere Pauschalangebot gebucht und fliegt mit Air Berlin dorthin. Wenn die Betriebseinstellung tatsächlich vor eurem Reisezeitraum passieren sollte, dann werdet ihr wohl auch nicht mit Air Berlin fliegen. Allerdings müsst ihr euch nicht um einen neuen Flug kümmern! 

Da der Anbieter dazu verpflichtet ist, euch die Leistung anzubieten die er euch verspricht, muss er auch einen Flug anbieten! Wenn Air Berlin pleite ist, muss er genau wie normale Kunden damit rechnen, dass sein bereits bezahltes Ticket verfällt. Ihr braucht euch für den Fall, dass der Flug explizit in der Reise inklusive ist, also keine Gedanken machen!

Ihr habt mit Air Berlin Holidays gebucht? Dann ist es verständlich, wenn ihr euch Sorgen macht! Allerdings unbegründet, denn Air Berlin Holidays gehört nicht zum Air Berlin Konzern! Das heißt also, dass dieser nicht mit in die Pleite der Fluggesellschaft gezogen wird! Ihr braucht also keinen neuen Flug, lediglich die Flugzeiten könnten sich um ein paar Stunden, oder sogar Tage ändern!

Auf dem Ticket steht nur „operated by Air Berlin“?

Ihr habt bei einer Airline, die nicht Air Berlin heißt gebucht, aber ein Teil eures Fluges wird von Air Berlin durchgeführt? Dann habt ihr ein Codeshare-Ticket. Das kann der Fall sein, wenn ihr zum Beispiel von Helsinki nach Stuttgart über Berlin fliegt, ihr aber bei Finnair gebucht habt. Dann wird der letzte Part von Berlin nach Stuttgart von der Air Berlin durchgeführt.

In diesen Fällen ist immer die Airline für den Transport verantwortlich, die euch auch das Ticket verkauft hat! Ihr müsst dann also keine Angst um euer Ticket, oder euer Geld haben. Nur Änderungen im Flugplan kann es dann geben!

Andersherum: Ihr habt bei Air Berlin gebucht, fliegt aber mit anderen Airlines wie British Airways, S7 oder Etihad? Dann heißt es aufgepasst! So kann es sogar sein, dass eure anderen Flüge ebenfalls nicht mehr gültig sind! Hier solltet ihr aber im schlimmsten Fall die Air Berlin Hotline kontaktieren.

Macht es Sinn, jetzt noch Air Berlin-Tickets zu buchen?

Die Frage kommt auf den Zeitraum an: Wenn ihr morgen früh schnell von München nach Hamburg müsst und euch ein günstiges Air Berlin Ticket nicht entgehen lassen wollt – kein Problem. Die Airline wird auf jeden Fall die nächsten paar Tage halbwegs normalen Flugverkehr anbieten. Allerdings kann es sein, dass Entschädigungen wegen Verspätung oder verlorenem Gepäck nicht mehr rechtzeitig erstattet werden!

Habt ihr allerdings vor, euren nächsten Frühlingsurlaub mit Air Berlin zu buchen, seid ihr wirklich mutig! Die Chance dass die Fluggesellschaft bis dahin überlebt, ist gerade zu winzig.

Insgesamt lässt sich also sagen, dass für die nächsten Tage und vielleicht sogar Wochen noch ohne große Bedenken Tickets von Air Berlin gekauft werden können. Darüber hinaus: Wirklich nur, wenn ihr absolut keine andere Alternative seht – Die Chance auf Beförderung schrumpft dann von Minute zu Minute! Informiert euch aber vor der Buchung auch noch einmal auf der Website von Air Berlin selbst!

Wenn sich größere Sachen noch ändern, geben wir euch direkt Bescheid! Checkt dazu regelmäßig unser Magazin!