Egal ob auf Geschäftsreise, im Kurzurlaub oder auf Rucksacktour, bei jeder Art zu Reisen gilt es zu bedenken: Andere Länder, andere Sitten! Kulturelle Unterschiede zu beachten ist aber nicht nur eine Frage des Respekts, ihr könnt auch für euch selbst unangenehme Situationen oder sogar hohe Geldstrafen vermeiden. Informiert euch bevor ihr aufbrecht über die Verhaltensregeln in den wichtigsten Alltagssituationen.

1. Der erste Eindruck – Wie begrüßt man sich in anderen Ländern?

Lustige Begrüßungen gibt es in vielen Ländern dieser Welt. Um nicht gleich den ersten Eindruck zu vermasseln, findet ihr die Highlights anderer Länder:

  • In Neuseeland wird dem Gegenüber die Stirn geboten. Durch das Aneinanderführen der Köpfe soll der Lebensatem symbolisiert werden, wenn sich Menschen zum ersten Mal begegnen.
  • In Japan ist verbeugen angesagt. Je tiefer man sich verneigt, desto mehr Respekt zeugt man. Als Reisende solltet ihr es allerdings nicht zu weit treiben, Feingefühl ist hier gefragt.
  • Auf vielen Polynesischen Inseln wie Bora Bora oder Neuguinea fassen Einheimische die Hände ihrer nächsten Verwandten und Freunde und streichen sich selbst damit über das Gesicht. Diese durchaus intime Geste solltet ihr allerdings nicht in der Öffentlichkeit machen.
  • Applaus in Afrika! In einigen Gegenden klatschen die Bewohner zur Begrüßung in die Hände.
  • In Spanien gilt Händeschütteln als unhöflich, ein Küsschen links und rechts ist angesagt!

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2. Die Rechnung bitte – In welchen Ländern sollte ich (kein) Trinkgeld geben?

In Mitteleuropa wird meist ein Aufschlag von 15 – 20% als Trinkgeld erwartet. Wie viel Trinkgeld in welchem Land angemessen ist, lest ihr hier.

Wie viel Trinkgeld wird in anderen Ländern erwartet?

  • In vielen Ländern Mitteleuropas und in Nordamerika ist es selbstverständlich, 15 – 20% Aufschlag für guten Service zu bezahlen.
  • Reist ihr nach China oder Japan, ist guter Service aber selbstverständlich. Trinkgeld zu geben ist hier eine Beleidigung.
  • In England und Irland ist Trinkgeld in Pubs nicht üblich. Als nette Geste könnt ihr das Personal aber auf einen Drink einladen! In Restaurants ist häufig schon eine Servicepauschale eingerechnet, dennoch ist ein Trinkgeld von 10-15% üblich.
  • Die Servicepauschale ist meistens auch in skandinavischen Ländern schon in der Rechnung festgesetzt. Abgesehen von Schweden, wo ebenfalls 10% zusätzlich erwartet werden, gilt in Skandinavien schon das geringe Aufrunden des Rechnungsbetrages als Ausdruck des Wohlgefallens.

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3. Mahlzeit! – Welche Essgewohnheiten muss ich beachten?

  • In Japan wird gegessen, was auf den Tisch kommt. Eine Ablehnung wäre eine schwere Beleidigung für den Gastgeber. Allerdings müsst ihr euch auch zurückhalten. Habt ihr alles verputzt, zeigt ihr damit, dass ihr nicht genug hattet und bekommt schnell Nachschlag serviert. Ebenso gilt Schmatzen nicht als unhöflich, sondern wird vor allem beim Suppe Essen praktiziert. Damit sollen heiße Gerichte gekühlt werden und ein Lob an den Koch ausgesprochen werden. Rülpsen wird anders als im benachbarten China jedoch in Japan nicht gerne gehört! Japanische Tischsitten müssen also gut einstudiert sein.
  • Während hierzulande ein leer gegessener Teller gutes Wetter verspricht, führt der Wunsch nach Sonnenschein sowohl in Japan als auch in Russland eher zu Übergewicht. Denn auch russische Tischsitten sind auf Völlerei ausgelegt. Als guter Gastgeber gilt, wer seinen Gästen unablässig zu Essen serviert: Ein 4-gängiges Menü ist bei einer Einladung in Russland üblich. Diäten oder vegetarische Kost werdet ihr vergeblich suchen. Habt ihr keinen Hunger mehr, solltet ihr besser Reste auf dem Teller zurücklassen, da sonst immer weiter Essen auf den Tisch kommt. Ist das Festmahl beendet, wird Kaffee oder Tee mit Kuchen gereicht. Unter Umständen wird danach der nächste Durchgang gestartet und wieder Herzhaftes aufgetischt.
  • Auch bei eurem Schweden Urlaub müsst ihr euch auf ungewöhnliche Essgewohnheiten einstellen. Der sogenannte Lappkaffe gilt als besondere Delikatesse zum Frühstück. Getrocknetes Rentierfleisch wird in Kaffee eingetunkt und zusammen genossen.
  • Sitten und Bräuche in Indien: Hier wird traditionell auf Besteck verzichtet. Allerdings solltet ihr nur mit der Rechten Hand essen, da die linke Hand zur Reinigung nach dem Besuch der Toilette verwendet wird. Für flüssigere Mahlzeiten wie Currys könnt ihr Fladenbrot oder Reis zur Hilfe nehmen, ansonsten solltet ihr nur Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger verwenden.

4. Prost! – Wo darf ich in der Öffentlichkeit keinen Alkohol trinken?

Im Central Park oder nach dem Surfen in Perth genüsslich ein Bier trinken? Leider Fehlanzeige. In den USA und in Australien ist Alkohol trinken in der Öffentlichkeit verboten. Braune Papiertüten können euch allerdings vor den Gesetzeshütern beschützen. Auch Zigaretten Rauchen gilt als rüpelhaftes Benehmen und wird nicht gerne gesehen.

In der Hafenmetropole Genua müsst ihr mit 25 – 500€ Strafe rechnen, wenn ihr euren Durst mit Alkohol auf der Straße stillt. Auch Italien sagt damit dem Alkohol in der Öffentlichkeit den Kampf an.

Im Zentrum der tschechischen Hauptstadt Prag dürft ihr abgesehen von Restaurants und Bars, Straßencafés und Gaststätten in der Öffentlichkeit keinen Alkohol konsumieren. Dieses allgemeine Verbot gilt besonders für den Umkreis von 100m von Spielplätzen. Lasst ihr euch erwischen, müsst ihr mit circa 40€ Strafe rechnen.

In Frankreich ist es sogar verboten, sich betrunken im öffentlichen Raum aufzuhalten. Torkelt ihr nachts aus dem Club ins Hotel und werdet dabei erwischt, müsst ihr mit bis zu 150€ Strafe und einer Zwangsausnüchterung rechnen. Erst wenn ihr wieder nüchtern seid, dürft ihr euch auf den Weg nach Hause machen. In Stadien oder in der Nähe von Schulen und Gesundheitszentren dürft ihr keinen Alkohol konsumieren!

In ganz Polen dürft ihr Bier, Wein und Co. nur in Restaurants und Bars trinken. Das generelle Alkoholverbot gilt im ganzen Land, auch bei Großveranstaltungen wie Fußballspielen oder Konzerten.

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5. Ja, nein oder vielleicht – Welche Geste bedeutet was?

Vor allem Handgesten können leicht zu Missverständnissen führen. Das Zusammenführen von Daumen und Zeigefinger soll in Mitteleuropa „Ok“ bedeuten, aber in Spanien, Frankreich oder auch der Türkei versteht man darunter ein obszönes Zeichen. Im Nahen Osten oder Russland drückt ihr damit sogar Abneigung gegen Homosexuelle aus.

Auch der ausgestreckte Daumen, der in Deutschland als die Zahl 1 oder als Lob verstanden wird, sollte auf eurem Australien Urlaub sparsam eingesetzt werden: Hier signalisiert die Handgeste eine vulgäre Beschimpfung, mit der ihr jemanden loswerden möchtet.

Ebenso zu Missverständnissen kann das Kopfschütteln führen, weil es in Bulgarien, Indien oder Pakistan Zustimmung ausdrückt. In Äthiopien wird der Kopf sogar zurückgeworfen, um eine Frage mit „Ja“ zu beantworten. Genau dieses Zurückwerfen des Kopfes bedeutet in arabischen Ländern, in südlichen Regionen Italiens oder in Griechenland und der Türkei jedoch „Nein“. Wollt ihr in Japan eure Abneigung ausdrücken, solltet ihr mit den Händen wie mit einem Scheibenwischer vor eurem Gesicht wedeln.

6. Das erste Treffen – In welchen Ländern komme ich besser (nicht) zu spät?

Pünktlichkeit gilt als Parade-Disziplin der Deutschen. In Österreich werdet ihr wie immer den Mittelweg vorfinden: Die akademische Viertelstunde gehört zum guten Ton. Aber wie wird in anderen Ländern mit Pünktlichkeit umgegangen?

6.1. Hier bitte pünktlich sein

  • In Österreich wird eine kleine Verspätung zwar nicht nachgetragen, eine Verabredung gilt jedoch als verbindlich. Viel später als 15 Minuten solltet ihr also nicht erscheinen!
  • Die Australier sehen die Pünktlichkeit ähnlich wie die Deutschen. Verspätungen gelten als äußerst unhöflich.

6.2. Hier wird Pünktlichkeit besonders klein geschrieben

  • Seid ihr in Frankreich bei jemandem zu Hause eingeladen, solltet ihr euch zumindest eine halbe Stunde verspäten. Diese wird bei Vereinbarung der Uhrzeit fest eingerechnet. Kommt ihr pünktlich, erwischt ihr den Gastgeber womöglich in einer unangenehmen Situation.
  • In Brasilien solltet ihr euch bei Verabredungen aus Höflichkeit verspäten. Abgemachte Uhrzeiten gelten hier eher als ungefähre Richtwerte.
  • In Spanien ist eine Verspätung von mindestens 30 Minuten völlig normal. Es kann auch passieren, dass eine Verabredung abgesagt wird, wenn die vereinbarte Zeit schon längst verstrichen ist.
  • Auch in anderen südlichen Ländern wie Italien, Portugal und Griechenland wird es mit der Pünktlichkeit nicht so streng genommen.

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7. Liebe in der Luft – Gibt es ein Kussverbot?

Nicht in jedem Land ist es angebracht, euch öffentlich eure Zuneigung zu zeigen. In manchen Ländern ist Küssen per Gesetz verboten und wird mit Geldstrafen geahndet. Auch in Europa gibt es einige Plätze, an denen ihr eure Verliebtheit im Zaum halten müsst. Hier seht ihr eine Übersicht:

7.1. Wo ist Küssen per Gesetz verboten?

  • Gerade im romantischen Italien müsst ihr aufpassen, wo ihr euren Liebesbekundungen freien Lauft lasst. Wer sich in Eboli zu heftig im Auto küsst, muss mit einer Geldstrafe von bis zu 500€ rechnen! In Sizilien dürft ihr euch auf Parkbänken nicht küssen.
  • Auch in Indonesien, Indien, Dubai, Malaysia und Russland dürft ihr euch in der Öffentlichkeit nicht zu lange küssen. Ihr verstoßt damit gegen das Gesetz!
  • In Frankreich dürft ihr euch auf Bahnübergängen nicht küssen, um eure eigene Sicherheit nicht zu gefährden.
  • Vor dem Bahnhof Warrington Bank Quay in England müsst ihr euch ebenfalls zurückhalten. Um den Verkehr nicht zu behindern, muss das Abschieds-Knutschen ins Bahnhofsgebäude verlegt werden.

7.2. Wo wird Küssen nicht gerne gesehen?

  • In Japan oder China gilt Küssen als Teil des Vorspiels. In der Öffentlichkeit solltet ihr euch also besser zurückhalten, um keine schrägen Blicke auf euch zu ziehen.

Wie ihr sehr, gibt es viele Möglichkeiten um im Urlaub oder auf Reisen ins Fettnäpfchen zu treten. Beachtet unsere 7 Tipps und damit auch die kulturellen Unterschiede in eurem Urlaubsland. So steht einer gelungenen Reise, von der Begrüßung über das romantische Essen, bis hin zum angemessenen Küssen nichts mehr im Wege!