Reisen und arbeiten zur selben Zeit sowie dauerhaft? Was für viele Menschen nach einem Wunschtraum klingt, wird durch die digitalen Medien mittlerweile in immer mehr Berufen möglich. So hat sich ein neuer Trend zum digitalen Nomadentum entwickelt, den bisher vor allem Blogger und Freelancer genießen. Sie leben aus dem Koffer, tingeln um die Welt und arbeiten unterwegs via Laptop, Smartphone & Co.

Digitaler Nomade – Wie funktioniert das Arbeitsmodell?

Bei digitalen Nomaden handelt es sich in erster Linie um Selbstständige. Noch ist zu sagen, denn im Zuge der Digitalisierung könnte es zukünftig auch vermehrt zu flexibleren Arbeitsmodellen in deutschen Unternehmen kommen. Bislang sind digitale Nomaden aber vor allem Freischaffende, welche in irgendeiner Art und Weise ihr Geld über das Internet verdienen beziehungsweise ihre Arbeit über das Internet verbreiten können. Sie arbeiten also sprichwörtlich digital – daher der Name. Dabei handelt es sich beispielsweise um

  • Blogger,
  • Webdesigner,
  • Internethändler,
  • Redakteure oder
  • virtuelle Assistenten,

die mit ihren Lesern, Kunden, Käufern, Auftraggebern & Co über digitale Kanäle wie die E-Mail, soziale Netzwerke, eine Webseite oder auch Skype kommunizieren können. Dementsprechend ist ihre Arbeit orts- und zumeist auch zeitunabhängig. Sie können also arbeiten wann und wo sie wollen. Genau diese Besonderheit nutzen sie für ein Leben als digitaler Nomade. Sie besitzen also keinen festen Wohnsitz, sondern reisen um die Welt, suchen vor Ort einen Internetanschluss und arbeiten dann eben direkt in den verschiedensten Ländern – jeweils dann, wenn sie eben die Zeit sowie Gelegenheit haben. Für einige Menschen klingt das unglaublich anstrengend und das Lebensmodell als digitaler Nomade ist gewiss nicht für jedermann geeignet. In vielen Ohren ist das Reisen und Arbeiten unterwegs jedoch zumindest für einige Zeit ein echter Wunschtraum.

Ein Leben aus dem Koffer

Es gibt unterschiedlich „radikale“ Ausprägungen der digitalen Nomaden: Von jenen, die nur hin und wieder auf Reisen gehen und unterwegs weiterarbeiten, bis hin zu solchen, welche keinen festen Wohnsitz mehr haben und sprichwörtlich aus dem Koffer leben sowie arbeiten. Wer sich für ein Leben als digitaler Nomade interessiert, bald zu seiner ersten „Arbeitsreise“ aufbricht oder bereits „on Tour“ ist, sollte folgende Tipps berücksichtigen, damit die Kombination aus Reise und Arbeit funktioniert:

Günstige Unterkunft – die halbe Miete

Digitales Nomadentum heißt nicht hier und da mal sesshaft zu werden und sich überall Ferienhäuser zuzulegen. Aber: Unterkommen müssen sie natürlich dennoch irgendwo. Ganz wichtig ist dabei, dass die laufenden, unvermeidlichen Kosten gering zu halten sind. Dazu zählt einerseits die Wahl einer günstigen Unterkunft und andererseits der Einkauf im Supermarkt sowie das selbstständige Kochen. Die Unterkunft ist hier meist der größte Posten. Hostels eignen sich hier besonder gut, da die Gemeinschaftsküche auch gleich die Frage nach der Kochmöglichkeit abdeckt.

Und außerdem: Digitale Nomaden können und sollten untereinander netzwerken. Besonders gut geeignet sind daher nicht abgelegene Hütten am Strand, sondern eben zentrale Schlafmöglichkeiten wie Hostels, wo andere Menschen und eventuell auch weitere Nomaden anzutreffen sind.

Auch sonst gilt: Digitales Nomadentum ist kein Urlaub

Wer nicht gerade im Geld schwimmt, muss als digitaler Nomade auch auf seine sonstigen Kosten achten. Zwar sparen sich Betroffene in der Regel die Miete, weil sie über keinen festen Wohnsitz verfügen oder diesen zeitweise untervermietet haben, jedoch gehen die Flüge, Aufenthalte & Co schnell ins Geld. Digitale Nomaden sollten daher ihr Lebensmodell nicht mit Dauerurlaub verwechseln und jeden Abend im Restaurant essen oder viel Geld in Attraktionen wie Bungee Jumping oder Jetski Fahren investieren. Stattdessen sollten sie Preise vergleichen, beispielsweise bei Flügen, und nicht anders leben als damals in Deutschland auch.

digitale Nomaden Cafe

Internetzugang muss gesichert sein

Das A und O für digitale Nomaden ist natürlich ein funktionierender Internetzugang. Leider ist dieser nach wie vor nicht in allen Ecken der Welt zu finden und selbst wenn, so kann nicht die Qualität deutscher Breitbandnetze erwartet werden. Empfehlenswert ist deshalb ein Plan B für den Fall, wenn irgendwo kein Internetzugang möglich ist. Bei zeitkritischen Arbeiten sollte zudem stets genug Puffer eingeplant werden, sodass Projekte auch bei einem temporären Internetausfall noch rechtzeitig eingereicht werden können. Digitale Nomaden müssen deshalb gut planen können und über ein hohes Organisationstalent verfügen. Unter Umständen lohnt sich der Abschluss eines weltweiten Vertrages für das Smartphone sowie das mobile Internet. Schlussendlich muss hier jeder das zu seinen individuellen Umständen am besten passende Modell finden. Denn ein Blogger kann in der Regel problemlos einige Tage offline sein, während ein Webdesigner vielleicht täglich für seine Auftraggeber erreichbar sein möchte.

Coworking Spaces helfen gegen Einsamkeit

Ein Garant für das Kennenlernen anderer digitaler Nomaden sind sogenannte Coworking Spaces. Hierbei handelt es sich um Büros, wo Freischaffende aus aller Welt zusammentreffe, tageweise einen Schreibtisch anmieten und netzwerken können. Solche Coworking Spaces sind also nicht nur gut fürs Geschäft, sie helfen vor allem gegen Einsamkeit und können durch den Austausch mit erfahrenen „Arbeitsreisenden“ zahlreiche hilfreiche Informationen sowie Tipps liefern.

Organisatorisches muss vorab geklärt werden

Als digitaler Nomade zu leben, bedeutet allerdings nicht, von sämtlichen Pflichten entbunden zu sein. Auch hier gilt es zahlreiche Formalien zu klären wie: Wo ist derjenige gemeldet? Wie sieht es mit dem Versicherungsschutz aus? Wann, wie und wo werden Steuern gezahlt? Sind alle notwendigen Impfungen vorhanden? Welche Visa werden für die Reise benötigt? Nur, wenn all diese Fragen geklärt sind, ist das Leben als digitaler Nomade so sorgenfrei und abenteuerlustig, wie es sich viele Menschen vorstellen. In irgendeiner Form brauchen also auch digitale Nomaden eine Heimat – und wenn sie nur der Steuererklärung dient. Vielleicht wird es auch diesbezüglich irgendwann rechtliche Anpassungen geben, wenn das Arbeitsmodell sich weiter verbreitet. Bislang gelten für deutsche digitale Nomaden jedoch dieselben Regeln wie für alle „normalen“ Bürger auch.