verspaetungBahnÄrgerlich, aber jeder kennt es. In aller Hektik hat man es pünktlich zur Haltestelle geschafft und freut sich auf den Urlaub aber Bus, Bahn oder Flugzeug sind nicht vor Ort. Solche Verspätungen sind nicht nur unangenehm, sondern können manchmal auch richtig ins Geld gehen. Denn problematisch wird es dann, wenn durch die Verspätung eine Anschlussverbindung oder ein wichtiger Termin verpasst wird. Am besten noch über Nacht.

Seine Rechte als Fahrgast kennen

Pech gehabt, denken sich viele Kunden und lassen den Schaden auf sich beruhen. Verständlich, schließlich kostet das Zurückholen des Geldes Arbeit und Nerven. Zusätzlich tun die Unternehmen gerne so, als wären sie nicht verantwortlich. Oftmals ist dies aber falsch. Es gibt nur wenige Fälle, in denen die Unternehmen wirklich nicht für die Verspätung aufkommen müssen. Aber selbst in diesen Fällen sind sie meist dazu verpflichtet, den Fahrgast mit Mahlzeiten, Getränken und ggf. Übernachtungsmöglichkeiten zu versorgen. Diese Fälle sind:

  • Naturkatastrophen
  • Personenschäden (Suizid)
  • Streiks
  • Eigenes Verschulden des Fahrgastes

Zu den Fällen, bei denen die Unternehmen neben der Versorgung auch eine Erstattung zahlen müssen gehören:

  • Technische Defekte
  • Vorhersehbare Wetterveränderungen (Wintereinbruch)

Diese und andere Dinge sind in der EU-Fahrgastrechteverordnung geregelt. Die 2004 in Kraft getretene Europaverordnung schreibt für bestimmte Verspätungszeiten nach einem einfachen Raster Entschädigungssummen fest. Diese allgemeine Vorgehensweise ist für deutsches Recht eher unüblich. Den Fahrgast kann es aber freuen. Denn es vereinfacht die Verfahren. Wir haben hier ein paar allgemeingültige Tipps für die verschiedenen Verkehrsmittel zusammengesammelt.

Wie bekomme ich mein Geld bei Flugverspätungen wieder?

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Bei Flugzeugen gilt, es gibt immer dann Geld, wenn die Verspätung mindestens 3 Stunden beträgt. Ausgenommen der oben genannten Fälle. Dabei gilt der Zeitraum zwischen vorgesehener und tatsächlicher Ankunftszeit. Bei kurzen Strecken unter 1.500km reichen in manchen Fällen auch 2 Stunden Verspätung für einen Entschädigungsanspruch. Auch die Höhe der jeweiligen Entschädigungen ist geregelt. Unter 1.500km gibt es 250€, bis 3.500km sind es 400€ und bei längeren Strecken bekommt ihr 600€ pro Passagier.

Um an euer Geld zu gelangen, empfiehlt es sich, im Schadensfall zunächst alle Dokumente wie Boardingpass, Ticket, Kaufbeleg, Hotelrechnung etc. aufzuheben. Anschließend könnt ihr zunächst eine Mail an die Servicestelle der jeweiligen Fluggesellschaft schicken. Dies muss innerhalb von 3 Jahren nach dem Flug passieren. Sollte sich die Fluggesellschaft nicht innerhalb von zwei Wochen melden oder den Antrag ablehnen, empfiehlt es sich, sich Rechtshilfe zu hohlen.

Rechtsberatungen bieten u.a. Verbraucherschutzzentralen. Seit November 2013 gibt es zudem die Schlichtungsstelle des Bundes, kurz SÖP. Diese beraten allerdings nur. Mails, Briefe und ggf. auch der Gang vor Gericht muss eigenständig erledigt werden. Einfacher ist es da, eine Prozessfinanzierungs-Dienstleistung in Anspruch zu nehmen. Eine solche bietet flightright.de. Sie kümmern sich um euren Schadensanspruch. Dazu müsst ihr nur über ein simples Onlineformular die Daten eures Falls eingetragen. Anschließend wird euch mitgeteilt, ob ihr Erfolgsaussichten habt. Gibt es hier ein OK, regelt flightright alles Weitere. Das Gute: Der Service ist für euch so lange kostenlos, bis die Fluggesellschaft einen Schadensersatz zahlt. Von diesem zieht die Firma eine 25%tige-Provision (zzgl. MwSt.) ab.

Wie bekomme ich mein Geld bei Bahnverspätungen wieder?

Bus und Bahn

Foto: Copyright Deutsche Bahn AG / Wolfgang Klee

Bei der Bahn sind die Regelungen für den Schadensersatz ebenfalls relativ eindeutig. Ab 1 Stunde Verspätung haben die Kunden einen Anspruch auf 25% des Fahrpreises, ab 2 Stunden sind es 50%. Ab einer Verspätung von 20 Minuten kann ein höherwertiger, nicht reservierungspflichtiger Zug genommen werden. Allerdings muss diese Fahrkarte zunächst vorfinanziert werden. Einen Anspruch auf Taxikosten in Höhe von bis zu 80€ zum Weitertransport habt ihr nur, wenn eure planmäßige Ankunft zwischen 0 und 5 Uhr liegt und die Verspätung 1 Stunde beträgt oder beim Ausfall eines Zuges, welcher die letzte planmäßige Verbindung des Tages darstellt. In diesem Fall können auch „angemessene Übernachtungskosten“ geltend gemacht werden.

Auch, wenn ihr bei der Bahn euren Fahrpreis zurückhaben wollt, solltet ihr alle Fahrdokumente (Fahrschein, Taxiquittung, Verspätungsbestätigung etc.) aufbewahren. Online füllt ihr bis zu maximal einem Jahr nach Gültigkeit der Fahrkarte das Fahrgastrecht-Formular der Deutschen Bahn aus oder schickt das ausgefüllte Formular mit der Originalfahrkarte bzw. der Kopie der Zeitkarte per Post an das Servicecenter Fahrgastrechte (in: 60647 Frankfurt am Main). Solltet ihr darauf eine negative Antwort erhalten, könnt ihr euch wiederum an die SÖP wenden (Tel. 030 – 6 44 99 330, Mail: kontakt@soep-online.de).

Wie bekomme ich mein Geld bei Busverspätungen wieder?

Postbus

Grundsätzlich gilt auch bei Fernbussen: Die Kunden haben im Verspätungsfall Anspruch auf Entschädigung. Allerdings steht euch diese erst ab einer Strecke von 250km und bei einer Verspätung von mindestens 2 Stunden zu. Die Fernbusgesellschaft kann entscheiden, ob sie euch eine kostenfreie Erstattung des Fahrpreises anbietet oder ob sie einen Ersatzbus stellt. Kümmert sich das Unternehmen um keine der beiden Dinge, könnt ihr zusätzlich zur Erstattung des Fahrpreises einen Schadensersatz von 50% des Fahrpreises einfordern. Das Problem: Bei Stau oder Unwetter müssen die Busunternehmen im Gegensatz zur Bahn nicht zahlen, wenn der Bus am Abfahrtsort pünktlich losgefahren ist. Dies für den Kunden schwer nachvollziehbar.

Auch das Einfordern der Kosten ist bei den Fernbussen unübersichtlich. Grundsätzlich gilt aber auch hier: Ihr solltet euch zunächst an die Servicestelle des Busunternehmens wenden. Da einige Gesellschaften ihren Sitz im Ausland haben, kann dies ggf. natürlich kompliziert werden. Im Konfliktfall ist es auch bei Fernbusverspätungen ratsam, sich an die SÖP zu wenden. Allerdings sind die geringen Ticketpreise bei Fernbussen den Stress nicht wert.